Besetzung / Flöten / Schlagwerk / Repertoire

Stabspiel


Hier möchten sich
unsere Stabspieler mit
ihren Instrumenten vorstellen.

Hallo, ich bin

Uwe Kramme

und spiele die Lyra.

Die Lyra ist ein Marschinstrument,
wird aber auch bei Konzerten
eingesetzt, wenn kein
Glockenspiel bereit steht.
[mehr]
Natalie Berg
und ihr Glockenspiel.
Unser Marimbaphon
wird gespielt von

Simone Hergesell
[mehr]


Hallo Leser und Spielleute, in dieser Ausgabe möchte ich mich auch einmal melden. Lange habe ich über ein Thema nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, in der ein oder anderen "allegro" -Ausgabe über das Instrument zu schreiben, mit dem ich bereits seit 20 Jahren in unserem Spielmannszug arbeite - der Lyra. Dem ersten Artikel verleihe ich die Überschrift:

Qual Lyra

Der Lyraspieler sollte nicht nur ein ausgezeichneter Rhythmiker sein und ein gutes musikalisches Gefühl besitzen, sondern auch ein phantastischer Organisator und mitunter ein hervorragender Jongleur. Die einreihige Lyra kam als Schellenbaumersatz in die Militärorchester und wurde dort von einem "ausgewachsenen" Musiker getragen. Sie hatte höchstens 16 Klangplatten. Die heutigen zweireihigen Lyren mit Rohrrahmen, wie wir sie besitzen, haben meist 25 Klangplatten und ein Gewicht von ca. 7,0 kg, sowie eine getragene Höhe von ca. 2,20 m, und eine getragene Breite von ca. 1,00 m.

In Anbetracht dieses Gewichts stellt sich durchaus die Frage, ab welchem Alter dürfen Lyraspieler(innen) beim Straßenspiel eingesetzt werden, ohne dass durch das Tragen der Lyra gesundheitliche Schäden auftreten? Eine schwierige Frage die individuell zu treffen ist, da zu viele Faktoren hier eine Rolle spielen können.

Die Lyra in Leichtbauweise mit Kunststoffrahmen und leichten Schweifen wiegt nur einen Bruchteil der herkömmlichen Rohrrahmenlyra und ist hier zumindest eine Alternativlösung. Immer wieder hört man aber das Vorurteil, diese Lyra würde nicht so gut klingen wie eine "richtige" Lyra mit Rohrrahmen. Der Klang ist jedoch absolut gleich, denn die Lyraplatten sind bei allen Lyren aus Aluminium. Daher können keine Klangunterschiede auftreten. Der Lyraklang wird lediglich durch die Wahl der Schlegel sowie der Konstruktion der Aufhängung beeinflusst. Unter gleichen Bedingungen sind somit Klangunterschiede ausgeschlossen.

Was die Höhen der Lyren betrifft, besonders die getragene Höhe, ist ein großer Lyraspieler oft geplagt. Wie wir immer wieder beobachten können sind Zelteingänge, Türen oder niedrig hängende Baumzweige ein beliebtes "Futter" für den Adler auf der Spitze der Lyra. In der Breite ist es für den Lyraspieler nicht nur auf der Bühne ein Problem ausreichend Platz zu erhalten, sondern auch Zuhause, wo er in der Regel mit Lyraständer und Notenständer eine Fläche von wenigstens 2 qm benötigt. Sollte er nun auch noch in einer kleinen Wohnung mit Kindern leben ist ein vernünftiges Proben für ihn oftmals schwer möglich, da niemand das Instrument gerne ständig auf- und abbauen möchte, und somit nicht zuletzt die Übungsgelegenheiten gemindert werden.

An dieser Stelle aber erst einmal genug der "Qual Lyra'". In den nächsten Ausgaben werde ich nicht ganz so kritisch sein. Aber vielleicht versteht ihr nun ein wenig mehr, von den "Lasten" eines Lyraspielers.

(Uwe Kramme)
Artikel aus dem "allegro" 3/2002

Das Marimbaphon

Ein geschichtlicher Rückblick von Simone Hergesell

Hallo Leute,

Heute möchte ich mich einmal bei Euch zu Wort melden und das Instrument vorstellen, auf dem Natalie (Berg) und ich nun schon seit 5 Jahren spielen - Unser Marimbaphon.

Das Marimbaphon stammt ursprünglich aus Afrika. Es entwickelte sich zu seiner heutigen Größe und Form in Mittel- und Südamerika und wurde in Nordamerika durch industrielle Fertigung mit Klangeigenschaften ausgestattet, die den Ansprüchen heutiger Musikinterpretation genügen.

Das Marimbaphon in der Form wie wir es heute einsetzten, ist ein sehr neues Instrument, daher gibt es dafür keine überlieferte und schon gar keine europäische Musik aus früheren Jahrhunderten. Dabei ist es, betrachtet man seine Klangkonzeption, eines der ältesten, wahrscheinlich sogar das älteste Musikinstrument. 1949 wurde nämlich in Vietnam ein siebentoniges Lithophon (Steinklangplattenmarimbaphon) entdeckt, dessen Alter auf 5.000 Jahre geschätzt wurde und damit das älteste Musikinstrument der Welt ist. Die Platten dieses Steinmarimbaphon hatten eine Länge von 45 cm bis zu einem Meter. Ähnliche Instrumente wurden übrigens auch in ägyptischen Grabkammern und in Afrika gefunden. Das Marimbaphon wurde erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts von nordamerikanischen Musikern nach Europa gebracht.

Das nahe Verwandte, das Xylophon, ist im Grunde genommen ein Marimba ohne Resonanzröhren und besitzt einen sehr kurzen, brillianten Klang. Es hat in Europa eine eigene Entwicklung erfahren, da es häufig im Repertoire fahrender Zigeunermusiker verwendet wurde.

Die Resonanzröhren des Marimbas bestanden früher aus einem ausgehöhlten Gefäß und heutzutage aus einer metallenen Röhre. Die Holzklangplatten werden aus dem Herzholz des Baumes geschnitten, das härteste und damit am besten klingende Holz. Die Evolution des Marimbas von einem meist schlecht gestimmten Instrument mit nur wenigen Tönen zu einer heutigen Größe von 2,5 Metern und 5 Oktaven, ging in Amerika vor sich. Ebenfalls gab es einen Wechsel von einem einreihigen, diatonischen Instrument zu dem chromatischen, zweireihigen, bei dem die Platten wie bei einem Klavier angeordnet sind. Dieser Wechsel fand um 1880 statt.

Wichtig in der Entwicklung des Marimbas war die Perfektionierung der Plattenstimmung, das Hinzufügen von metallenen Resonanzröhren für größere Lautstärke sowie das allgemeine industrielle Design, damit es den heutigen Ansprüchen an ein Instrument genügt. Diese Weiterentwicklung fand in Nordamerika statt.

Um die Jahrhundertwende war das Marimba weit genug entwickelt, um auch außerhalb Amerikas bekannter zu werden. Wie jeder Neuankömmling in der E-Musik Szene war das Marimba ein Instrument, das nach Repertoire verlangte. Einer der ersten Komponisten, der die Herausforderung annahm, war der Amerikaner Paul Creston.
Heutzutage gehört das Marimba selbstverständlich zum Instrumentarium der Percussionisten und seit immerhin 5 Jahren auch zum Spielmannszug Avenwedde. Ich glaube, dass unser Marimba unsere Musik bereichert hat.

(Simone Hergesell)
Artikel aus dem "allegro" 7/2004